Pressestimmen

Und es macht bumm: Besuch bei den Feuerwerkern

Geschrieben von Rhein-Zeitung - Silvin Müller am .

Feuerwerkerin Stephanie Reuter vom Familienunternehmen Steffes-Ollig, das 2011 den Weltmeistertitel im Bereich Musikfeuerwerk in Kanada holte, bei den Vorbereitungen zum Feuerwerk in Bad Hönningen. Foto: Silvin Müller

Andernach feiert Fest der 1000 Lichter

Andernach. Ein großes Feuerwerk bildet am Samstag den Höhepunkt beim Fest der 1000 Lichter in Andernach.

Die RZ hat die eingesetzten Pyrotechniker vorab in Bad Hönningen besucht, um sie bei ihrer Arbeit zu beobachten.


Auf dem Boden stehen zahllose gelbe Röhren, die wie Abflussrohre aussehen und von Metallkonstruktionen gehalten werden. Aus jeder dieser Stangen ragt eine rote Schnur, gelbe Schnüre verbinden diese. Und die gelben Leitungen wiederum laufen in einem Empfänger zusammen.


Die 27-jährige Stephanie Reuter hat in dem Gewirr von Kabeln den Überblick. Sie ist Feuerwerkerin des Traditionsunternehmens Steffes-Ollig aus Müllenbach in der Eifel, das seit dem Jahr 1868 in Familienbesitz ist und sich aus einem Handel mit Schwarzpulver für Schieferwerke heraus entwickelt hat. Die junge Frau wird am Samstag mit weiteren Mitarbeitern dafür zuständig sein, dass es beim Fest der 1000 Lichter ordentlich kracht und glitzert. Auf der anderen Rheinseite – genau dem historischen Rheintor gegenüber – wird am Ufer ein Arsenal aufgestellt, das jeden Silvesterfan erblassen lässt.
Die gelben Behälter sind Abschussrohre für allerlei Explosives. Es sind sogenannte Bomben, die einen Durchmesser von 60 bis 600 Millimetern haben können. In Andernach werden sie bis 125 Millimeter stark sein. Die junge Expertin sagt: „Je näher die Wohnhäuser oder andere Gebäude oder Anlagen stehen, umso kleiner ist das Kaliber, das wir schießen." Stephanie Reuter hat ihr Studium abgeschlossen und möchte nach einem Referendariat an einer Realschule plus unterrichten.
Eigentlich kommt es weniger auf das Kaliber als auf den brisanten Inhalt an. In den Rohren befinden sich kleine Stäbe und Päckchen, die mit Pappe umwickelt sind – alles Handarbeit aus Italien und China, sagt die 27-Jährige. Explodieren die Päckchen, erzeugen sie am Himmel die gewünschten Effekte, angefangen bei den verschiedensten Farben wie Silber und Gold, Blau, Grün oder Rot bis hin zu speziellen Effekten wie sogenannte Blinker, Knistern oder Kometenschweife. Für das Andernacher Feuerwerk müssen die Effekte natürlich zur Musik passen: Für die langsamen Teile sind andere Arten von Explosionen erforderlich als für die schnellen Passagen.
Gerade das Musikfeuerwerk stellt die höchsten Ansprüche an die Experten. Stephanie Reuter erzählt: „Ist eine Zündung defekt, dann fällt das schon auf, wenn eine Zeit lang am Himmel nichts geschieht." Doch gerade in diesem Bereich sind die Feuerwerker aus Müllenbach in der Eifel kompetent. Zuletzt gewann das Unternehmen im Jahr 2011 den Weltmeistertitel im Bereich Musikfeuerwerk in Kanada.
Das Feuerwerken ist eine Kunst für sich – und als eine Art Künstler verstehen sich die Pyrotechniker auch. „Man benötigt viel Fantasie, um sich vorstellen zu können, wie welcher Effekt später am Himmel aussieht und wie er mit anderen kombiniert wird", erklärt Helmut Reuter, der Vater von Stephanie, reist auch nach Italien und China, um zu sehen, was es Neues auf dem Markt gibt.
Als ausgebildete Feuerwerkerin hilft Stephanie ihrem Vater, seit sie 21 Jahre alt ist. Auch vorher war sie schon bei den Feuerwerken mit dabei. Um ein Feuerwerk betreuen zu dürfen, müssen die Aspiranten bei einer bestimmten Anzahl an Großfeuerwerken tätig gewesen sein und zudem einen Lehrgang besucht haben. Auf die Sicherheit wird beim Unternehmen sehr geachtet – und wie Stephanie Reuter erläutert, ist deshalb bisher auch kein Unglück geschehen. Den Startschuss für jede Bombe oder Batterie gibt übrigens die Musik-CD. Sie hat neben der Tonspur eine weitere Spur für die Zündungen.
Z Das musikalische Höhenfeuerwerk ist am Samstag um 22 Uhr in Andernach zu sehen.

Rhein-Zeitung vom Freitag, 2. August 2013, Seite 17
Von unserem Mitarbeiter: Silvin Müller

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